verbotene wahrheit

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Am 12. November griff die führende Tageszeitung Frankreichs Le Monde diese Geschichte auf, und damit kommt keine offizielle Stelle mehr darum herum. Le Monde veröffentlichte prominent eine ausführliche Besprechung des neuen Buches Die verbotene Wahrheit, dessen Autoren französischen Geheimdienst- und Regierungskreisen nahestehen. Die Rezension von Sylvain Cypel trägt die Überschrift "Als Washington mit den Taliban verhandelte". Es folgen Auszüge:

"Vor dem 11. September hatte die Regierung Bush die Aktivitäten des FBI zur Terrorismusbekämpfung blockiert, weil sie in intensiven Verhandlungen mit den Taliban stand, diese zu unterstützen, wenn sie Osama Bin Laden ausliefern. Das ist die These von Verbotene Wahrheit, einem Buch, das am 14. November erschienen ist.

Der Titel des Buches soll Aufsehen erregen. Sein Titel Bin Laden - die verbotene Wahrheit riecht nach Marketing-Strategie. Schreibfehler legen nahe, daß es sehr eilig in Druck ging... Aber all dies soll uns nicht von der Theorie ablenken, welche die Autoren Jean-Charles Brisard und Guillaume Dasquie aufstellen. Was sagen sie? Erstens, daß das amerikanische FBI bis zum 11. September daran gehindert wurde, in Saudi-Arabien oder im Jemen gegen die geheimen Partner bei den anti-amerikanischen Angriffen ermitteln, weil die Washingtoner Diplomatie ihre Beziehungen zu den Golf-Monarchien bewahren wollte. Hierzu bieten sie [die Autoren] als ,Knüller' die Aussage von John O'Neill, der Nummer Zwei im FBI, der im Juli 2001 an ihre Tür klopfte, eben weil er sich in seiner Arbeit behinert sah.

Dann erklären sie, die amerikanische Diplomatie führe seit vielen Jahren zahlreiche Verhandlungen mit den Taliban und deren Nachbarn (Pakistan, Rußland, die ehemaligen Sowjetrepubliken der Region, China, Indien) mit dem wesentlichen Ziel, daß sie auf die Angebote der amerikanischen Ölkonzerne reagieren... Sie zeigen auf, daß diese Verhandlungen von der Regierung Bush, wo die amerikanischen Ölgesellschaften großen Einfluß genießen, mit Enthusiasmus wieder aufgenommen wurden...

Seit 1998 waren die amerikanischen Ölproduzenten und Diplomaten überzeugt, daß der vollständige Sieg der Taliban - von denen sie sich eine ,Stabilisierung' Afghanistans erhofft hatten - nicht mehr erreichbar sei. Das bedeutete den Rückzug aus dem ,neuen Großen Spiel', wo entgegengesetzte Interessen, amerikanisch-pakistanische auf der einen Seite und russische-iranisch-indische auf der anderen, dem Sieg des einen Lagers über das andere in Afghanistan im Weg standen... Wenn dies Spiel kein ,Nullsummenspiel' sein soll, heißt für Washington, daß Amerikaner, Russen, Pakistanis und selbst die Iraner einer Einigung der afghanischen Fraktionen zustimmen, um das Land zu befrieden und Zentralasien den Ölkonzernen zu öffnen.

Nach den Angriffen auf die amerikanischen Botschaften in Kenia und Tansania (August 1998), die Bin Laden zugerechnet werden, konzentrierten sich die amerikanisch-talibanischen Verhandlungen auf die Auslieferung Bin Ladens. Im Gegenzug winkte die Regierung Clinton den Taliban mit einer gewissen Anerkennung ihrer Herrschaft. Daraus erwuchs die Notwendigkeit, ihre Partner zu kontrollieren: die Golfmonarchien und Pakistan. Auf internationaler Ebene wurden Druckmechanismen in Stellung gebracht: Die UNO richtete ein Verhandlungsforum ein, genannt ,6+2' (die sechs Nachbarländer Afghanistans plus USA und Rußland), um eine Strategie für einen Ausweg aus der Krise zu finden und die Resolution 1267 anzunehmen, die Sanktionen gegen Kabul fordert. Prinz Turki Al Faisal, der Chef des saudischen Geheimdienstes, versagte zwei Mal dabei, bei Mullah Omar die Auslieferung Bin Ladens zu erwirken.

Die Regierung Bush versuchte vom Februar bis August 2001, Fortschritte zu erzielen. Im März wurden Taliban nach Washington eingeladen. Der letzte bekannte Kontakt erfolgte zwischen Christina Rocca, einer hohen Beamtin des State Department, mit dem Taliban-Botschafter in Islamabad am 2. August. Daraus entstand die Idee einer Loya Dschirga - der Einberufung eines Stammesrates um den im Exil lebenden König Zaher Schah, um der Talibanregierung ein Ende zu bereiten - , die aber bis zum Tag nach dem 11. September nicht aus dem Hut westlicher Diplomatie gezogen wurde. Monatelang unterbreitete Washington die Idee den Taliban direkt über die ,6+2' und in diskreten Verhandlungen in Rom, Zypern und Berlin unter der Ägide des Sonderbeauftragten des UN-Generalsekretärs Kofi Annan, dem Spanier Francesc Vendrell. Der stärkste Beweis ist der am wenigsten geheime, nämlich Kofi Annans Bericht vom 14. August, vier Wochen vor den Angriffen. Es gab von April bis Juli intensive diplomatische Bemühungen, auch auf höchster Ebene, eine alternative Regierung anstelle der Taliban-Alleinherrschaft einzurichten."

Die biographischen Anmerkungen von Le Monde über die beiden Buchautoren lassen keinen Zweifel daran, daß sie eng mit dem französischen Geheimdienst verbunden sind: "Die Autoren von Verbotene Wahrheit stehen dem Spionagemilieu nahe. Jean-Charles Brisard war bei Viventi verantwortlich für den wirtschaftlichen Nachrichtendienst und hat dann auf Anfrage des französischen Nachrichtendienstes die Finanzen von Al Qaida untersucht. Sein Bericht über das wirtschaftliche Umfeld Osama Bin Ladens (Le Monde vom 25. September) wurde George Bush von Jacques Chirac während seines ersten Besuchs in Washington nach dem 11. September überreicht. Guillaume Dasquie ist der Chefredakteur von Intelligence Online, einem auf Geheimdienstfragen spezialisierten Nachrichtenbrief.

Muriel Mirak-Weißbach



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